uluru, tag 1
Es ist immer wieder etwas ganz besonderes wenn man nach endlos erscheinender Fahrt Uluru endlich erblickt. Der erste Blick auf dieses Rote Ding ist, selbst für jemanden der darauf vorbereitet ist, atemberaubend. Man meint sofort anhalten zu müssen und tausend Fotos zu schießen um diesen Moment festzuhalten. Dann verschwindet der rote Felsen unvermittelt aus dem Sichtfeld, nur um nach der nächsten Kurve größer, klarer, kontrastreicher wieder aufzutauchen. Der Drang anzuhalten wird mit jedem neuen Anblick größer – schließlich könnte das phänomenale Teil ja jeden Augenblick in der Erde verschwinden oder von Aliens weggebeamt werden (zumindest meint man das). Nach Entrichtung eines Unkostenbeitrages von 25 AU$ pro per Person darf man sich zumindest sicher sein, dass Uluru für die nächsten drei Tage unverrückbar an derselben Stelle stehen bleiben wird, denn für so lange hat man damit das Eintrittsgeld für den Uluru-Kata Tjuta Nationalpark entrichtet. Nach einem kurzen Zwischenhalt im Touristenghetto Yulara zwecks Check-In auf den örtlichen Monopol-Campingplatz brechen wir zeitig auf um das erste Schauspiel Namens „Sonnenuntergang“ zu genießen. Die Touristenmassen werden dazu generalstabsmäßig in die Kasten „Bustourist“ und „Individualreisender“ unterteilt und entsprechend ihrer Zugehörigkeit zu einer dieser Kasten zu den entsprechenden Versammlungspunkten gelotst. Dort dürfen sie dann mehr oder weniger ungehindert dem Moment harren, wo die Sonne sich hinter den Horizont verabschiedet und in den Minuten vorher und nachher eine Vielzahl von Rot- und Brauntönen auf den Felsen projiziert. Ein bisschen kommt uns das vor wie das Warten aufs Christkind: hunderte von Menschen, die meisten großteils im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte starren, mit Videokameras und Fotoapparaten bewaffnet, auf eine große Gesteinsmasse und warten auf etwas vermeintlich besonderes. Dass hinter ihnen ein grandioser Sonnenuntergang den Abendhimmel in leuchtende Rot / Violett / Blautöne taucht übersehen sie dabei. Die Mitglieder der Kaste „Bustouristen“ werden derweil kurz nach Sonnenuntergang schon wieder in ihre Beförderungsmittel verfrachtet und zum Abendessen in ihre Unterkünfte transportiert. Aus gut unterrichteten Kreisen wissen wir, dass es dabei regelmäßig zu unüberbrückbaren Engpässen kommt (es verhält sich mit dem allabendlichen Ansturm aufs Buffet scheinbar ähnlich wie mit Weihnachten: beides kommt vollkommen unvorhersehbar und doch immer zur selben Zeit).
Bei all den negativ erscheinenden Worten des vorhergehenden Absatzes – der Sonnenuntergang ist ergreifend, fantastisch, bewegend; das Farbspiel und die Kontraste sind einzigartig, die Stimmung trotz der sich um die besten Plätze prügelnden Menschenmassen packend. Aber die besten Szenen (und Dramen) spielen sich abseits der Haupthandlung ab und werden uns mindestens ebenso im Gedächtnis haften bleiben wie der „Main-Event“ selbst.