gday-australia_4.0
OCT
06

tennant creek - katherine

Weiter geht die Kilometerfresserei. Nach einer unheimlich schwül-heißen Nacht, in der die Temperatur nicht unter 33 Grad sank, sitzen wir wieder in unserer Dorothy und lassen uns die klimatisierte Luft um die Nase wehen. Wie haben die frühen Siedler und Minenarbeiter nur dieses Klima ausgehalten? Und wie müssen die nur gestunken haben früher, ohne Deo und Dusche? Wir denken besser nicht daran und fahren einfach weiter nach Norden. Die Strecke ist ziemlich monoton und erst 120 km vor Katherine kommt in Mataranka etwas Abwechslung in Form der Mataranka Hot Pools auf. Eine Thermalquelle jagt hier 30 Millionen Liter glasklares Wasser pro Tag mit 34 Grad durch ein natürliches Schwimmbecken mitten in einem tropischen Palmenwald. Gekrönt wird das Ganze durch eine nicht überschaubare Kolonie von Flughunden, die ausgerechnet hier optimale Bedingungen gefunden haben um sich niederzulassen. Es erschien uns abwegig, bei den vorherrschenden backofengleichen Außentemperaturen in einer heißen Quelle zu baden, aber Dank der etwa 39 Grad Lufttemperatur stellte die heiße Quelle eine willkommene Abkühlung dar und so saßen wir einige Zeit vollkommen alleine im Quellwasser und sahen den Flying Foxes zu wie sie sich um die besten Schlafplätze stritten. Bei Sonnenuntergang schwärmen die Hunde gleichzeitig aus, was ein fantastisches Schauspiel sein soll, aber so viel Zeit hatten wir nicht übrig denn wir wollten Katherine erreichen.

OCT
07

geht's noch schwüler?

Die vergangene Nacht haben wir kaum ein Auge zugetan. Die Temperatur sank nicht unter 34 Grad und ein kurzer Schauer um Mitternacht hob die Luftfeuchtigkeit noch auf gefühlte 150 Prozent an. Ein Australier, mit dem wir abends das Barbecue teilten meinte noch: „you’ll be sleeping in your own sweat“, und er hatte sowas von Recht. Wir haben die Nacht sozusagen in einer Dampfsauna verbracht und entsprechend stark war unser Schweißausstoß. Es ist wirklich unglaublich, aber bei diesen Klimabedingungen schwitzt man sogar unter der Dusche! Glaubt ihr nicht? – ist aber so! Wir flüchten deshalb zur Katherine Gorge, einem Schluchtensystem etwa 30 km außerhalb der Stadt. Dort wanderten wir entlang des Flusses hinauf zu einem Aussichtspunkt am Rande der Schlucht und dann weiter auf dem Hochplateau. Übrigens scheint „Hochplateau“ im australischen ein Synonym für „Herdplatte“ zu sein, denn wir wurden auf der quasi baumlosen Ebene schon am frühen Vormittag bei absoluter Windstille gnadenlos durchgegrillt (und das trotz vorbildlicher Wanderausrüstung). Das anschließende Bad im Katherine River war darum nicht wirklich unverdient.

Zurück in Katherine hatten wir dann noch das Glück, den legendären Ghan (das ist der Luxuszug der einmal wöchentlich von Adelaide nach Darwin und retour fährt) am Bahnhof stehen zu sehen. Mit dem Auto kann man dieses über 1km lange Luxusungetüm bequem der Länge nach abfahren um einen Eindruck von der Größe zu bekommen. Und wo wir gerade im Auto sitzen, fahren wir auch gleich nach Edith Falls um unser Nachtlager im Nationalpark aufzuschlagen. Wir schwimmen im riesigen Becken am Fuße der Wasserfälle und wandern am späten Nachmittag noch zu dem oberhalb gelegenen zweiten Wasserfall, den wir exklusiv für uns alleine haben. Wir schwimmen unter den Wasserfall und genießen das kühlende Wasser so lange, bis der nahende Sonnenuntergang zum Aufbruch mahnt. Wieder im Tal angekommen hechten wir nochmals in den unteren Pool, der bequemerweise nur etwa 200 Meter vom Camper entfernt ist.

OCT
08

kakadu!

Die Nacht war kühler und weniger schwül als die beiden vorherigen und deshalb konnten wir doch eine ordentliche Mütze Schlaf abbekommen. Vor dem Frühstück schwimmen wir ein weiteres Mal am Wasserfall und können uns an den von der Morgensonne angestrahlten Felswänden gar nicht sattsehen. Satt werden wir dann aber vom Frühstück das heute schon fast 100% australisch ist, denn es kommt vom Barbecue und hört auf den Namen „bacon and eggs“. Der Grill in eurem Garten kann also noch mehr als nur Abendessen heißmachen! Via Pine Creek entern wir den Kakadu Nationalpark, den bekanntesten Nationalpark Australiens und unserer Info zufolge ist das auch der Größte (und zwar 20.000 Quadratkilometer – etwa halb so groß wie die Schweiz). Hier ist unsere Dorothy in ihrem Element und kann im vermeintlich unwegsamen Gelände zeigen was sie kann. Bislang ist der Fahrer das schwächste Glied in der Argumentationskette, zweifelt er doch schon längst an Dorothy’s Fähigkeiten wenn sie sich noch nicht mal übermäßig anstrengen muss.

Doch das Vertrauen wächst wie in jeder Partnerschaft mit der Zeit und so sind Fahrer und Auto bald ein eingeschworenes Team, das tiefen Sand genauso souverän meistert wie Flussdurchquerungen. Als vertrauensbildende Maßnahme machen wir Ausfahrten nach Gimbat, Gunlom und Maguk und übernachten im Bushcamp von Mardugal. Mutig geworden ändern wir unsere Pläne für den kommenden Tag und beschließen, Jim Jim Falls und Twin Falls zu besuchen. Die Anfahrtsbeschreibung liest sich australisch knapp und trocken und lautet übersetzt etwa so: „Biegen sie 43km südlich des Info-Centers nach Osten vom Highway ab; schalten sie Allradantrieb ein, fahren sie 60km. Rechnen sie 2 Stunden Fahrzeit. Die letzten 10km bestehen aus ein bisschen weichem Sand und der Durchquerung des Jim Jim Creek (etwa 1m Wassertiefe; Schnorchel empfohlen)“. Hört sich nach jeder Menge Abenteuer an, schreckt sicher auch viele Besucher ab (uns nicht) und fühlt sich nach erfolgreicher Befahrung an als ob man gerade eine heroische Tat vollbracht hätte.

OCT
09

wer braucht mcgyver? wir haben dorothy!

So eine Expedition will natürlich gut geplant sein. Zur Vorbereitung besichtigen wir deshalb erst einmal die Felszeichnungen von Ubirr, um mit den Eingeborenen, die uns auf unserer Forschungsreise begegnen könnten, kommunizieren zu können. Der Aufstieg auf den Ubirr Rock verschafft uns weiterhin einen exzellenten Überblick über die Geographie der Umgebung und bereitet uns auf die zu erwartenden Reisebedingungen vor. Die Vorräte ergänzen wir im Supermarkt von Jabiru; jetzt kann nichts mehr schief gehen und wir sind top vorbereitet und für sämtliche Eventualitäten gerüstet.

Tatsache ist, dass wir für die Fahrt zu Jim Jim und Twin Falls noch nicht mal die Geländeuntersetzung bemühen mussten geschweige denn im Sand Luft aus den Reifen lassen mussten um die Traktion zu erhöhen, aber der Reihe nach… Bis zum Bushcamp ist die Anreise auf Schotter kein Problem, erst dann weist ein Schild unmissverständlich darauf hin, dass jetzt endgültig kein Platz mehr für Spielzeug-Allradler wie Toyota RAV4 oder Suzuki Vitara ist. Tiefe Sandpassagen wechseln sich mit Rüttelpiste und mehreren Creek-Durchquerungen ab. Nach acht Kilometern dann der ultimative Test: Wasserdurchfahrt mit 50cm Tiefe und etwa 50m Länge. Hört sich jetzt nicht so spektakulär an, ist aber trotzdem schon ganz ordentlich. Früher im Jahr ist diese Querung bis zu 1 Meter tief und kann dann trotzdem noch von unserem Auto gemeistert werden – Wahnsinn! Zu den Twin-Falls geht es dann weiter mit einer kleinen Personenfähre durch einen Canyon und schließlich auf Schusters Rappen.

Die Wasserfälle stürzen aus mehr als 150 m Höhe in das Becken und der Anblick ist atemberaubend. Wir hatten Glück, dieses Schauspiel überhaupt erleben zu dürfen, denn so spät in der Trockenzeit sind sie in der Regel ausgetrocknet oder zu einem kleinen Rinnsal geschrumpft. Dass die Wasserfälle aktiv waren haben wir einem Unwetter zwei Tage zuvor zu verdanken, das die Sammelbecken auf der Hochebene genug gefüllt hat um die Fälle zu speisen. Wir saßen vollkommen alleine auf dem weißen Sandstrand zu Füßen der Fälle und genossen das Spektakel. Das Wasser im Becken verlockt zum Schwimmen aber Krokodile verhindern das.

Zurück am Parkplatz nehmen wir Kurs auf Jim Jim Falls. Dieser Wasserfall ist ausgetrocknet aber der Anblick ist auch ohne Wasser lohnend. Im Wasser des Creek spiegeln sich die roten schroffen Felsen, am gegenüberliegenden Ufer wartet eine Krokodilfalle, malerisch dümpelnd, auf neue Kundschaft. Also auch hier: Baden nicht empfohlen. Von den körperlichen Anstrengungen des Tages ziemlich verschwitzt machen wir uns dann doch lieber in unser Basislager auf, um dort eine erfrischende Dusche zu nehmen. Kurz vor dem Abendessen kommt dann noch der Ranger vorbei um die Benutzungsgebühren für den Campground einzusammeln. Ein kleiner Smalltalk über das Wetter entwickelt sich und wir sind überrascht zu hören, dass es „hier oben in den Bergen“ nachts durchaus fünf Grad kühler ist als „unten im Tal“. Das lässt für die Nacht hoffen, und wirklich – es hat morgens nur 22 Grad wie wir dankbar feststellen.

OCT
10

yellow water

Bei der Rückfahrt über die Piste kommen uns schon die ersten Ausflügler entgegen und wir sind froh, die Wasserfälle gestern ganz für uns alleine gehabt zu haben. Wir richten unsere Fahrt nach Nord-Ost und stoppen Dorothy bei Nourlangie Rock. Hier gibt es sehr gut erhaltene Felsmalereien, die auf einem Rundweg zu besichtigen sind. Zum Schluss geht es noch auf Nourlangie Rock hinauf, denn vom dortigen Aussichtspunkt kann man die Abbruchkante der Hochebene sehr schön sehen. Danach wandern wir noch um einen Billabong, das ist ein Wasserloch, herum und beobachten unzählige Vögel, Gänse und Störche die sich die immer kleiner werdende Wasserfläche teilen müssen. Die Hitze in Verbindung mit der Luftfeuchtigkeit ist bereits am späten Vormittag nahezu unerträglich und wir verzichten auf weitere körperliche Aktivitäten und checken auf dem Campground der Cooinda Lodge ein, wo wir den Rest des Tages mit Müßiggang am und im Pool verbringen. Als Vorbereitung auf den kommenden Morgen essen wir Krokodilsteak zu Abend.

OCT
11

yellow water cruise

Schon um 6.45 Uhr stehen wir am Bootssteg um eine Flußfahrt auf dem Yellow Water Billabong und South Alligator River zu machen. Früh morgens sind die meisten nachtaktiven Tiere noch unterwegs und die tagaktiven kommen auch schon angeflogen. So ist diese Zeit des Tages die beste wenn man Tierwelt sehen möchte. Neben Schwärmen von Magpie-Gänsen, die in Formation zu den Feuchtwiesen fliegen um dort den Tag mit Nahrungssuche zu verbringen sind jede Menge Reiher, Kormorane, Enten, Sumpfhühner und der besonders fotogene Kingfisher unterwegs. Über allen thronen Störche und Weißkopfseeadler, von unten beäugen Krokodile ihre potentielle Beute. Zu allem Überfluss kommen dann auch noch wilde Pferde, die sogenannten Brumbies, auf die Wiesen getrottet um das Bild perfekt zu machen. Die Szenerie ist kitschig schön und wird noch mit einem Hauch Frühnebel weichgezeichnet, der dem ganzen eine pittoreske Anmutung gibt.

Wie friedlich könnte das Leben in den Sümpfen doch sein, wären da nicht die Krokodile, von denen zwei Arten Australien bevölkern. Es handelt sich dabei um die scheuen Süßwasserkrokodile (von den Australiern liebevoll „freshies“ genannt) und um die deutlich agressiveren Salzwasserkrokodile („salties“). Da wir uns heute auf einem Süßwassersee sind, sollten wir eigentlich ziemlich sicher sein denn die freshies meiden Menschen. Um die Sache aber komplizierter zu machen, können sich die salties auch in Süßwasser aufhalten, was sie zum Ende der Trockenzeit auch liebend gerne machen weil es dort genügend Nahrung für sie gibt. Die salties wandern also mit zunehmender Trockenheit immer weiter die Flüsse hinauf um in den dortigen Wasserlöchern zu jagen. Und auf genau so einem Wasserloch sind wir heute unterwegs – es ist verseucht mit salties und wir sehen Massen von ihnen. Noch dazu ist Paarungszeit und die Männchen sind besonders angriffslustig wenn es darum geht ihr Revier zu verteidigen. Und da sitzen wir jetzt in so einer Blechbüchse von Motorboot und drehen munter unsere Runden über den Köpfen dieser Reptilien!!! Diese Biester sind so was von respekteinflößend; einmal schwimmt eins lange neben dem Boot her und schaut uns dabei so an als wollte es sagen: “das ist mein Gebiet und aus euch mach ich Hackfleisch wenn ich will“. Ein anderes liegt am Ufer und gähnt derart herzhaft, dass man Nahaufnahmen von jedem einzelnen Zahn machen kann.

Zwei Stunden später haben wir genug Natur und Krokodile gesehen, wieder festen Boden unter den Füßen und schaukeln mit Dorothy Richtung Darwin. Die Offroadpiste Old Jim Jim Road ist um einiges kürzer als der Weg über den Highway und in gutem Zustand. Daher kommen wir gut voran, sind allerdings von der unvermittelt auftauchenden Flußdurchfahrt durch den West Alligator River doch etwas überrascht. Die Wassertiefe beträgt 60-70cm, der Flußgrund ist allerdings sehr ungleichmäßig und daher hoppeln wir ganz schön durch die Fluten. Die gurgelnden und gluckernden Geräusche, die wir eigentlich nur vom Segeln kennen passen so gar nicht zur automobilen Fortbewegung und wir sind froh, das andere Ufer ohne Zwischenfälle zu erreichen. Weit früher als veranschlagt erreichen wir die Vororte von Darwin, wo wir unsere Vorräte für die letzte Woche aufstocken. Das Betreten eines großen Supermarktes kommt nach so viel Naturgenuss am Stück einem Kulturschock gleich und wir fühlen uns merkwürdig deplatziert. Bei Mc Donalds nutzen wir das W-LAN um unseren Reisebericht raufzuladen und verpissen uns dann schnellstmöglich wieder in den nächsten Nationalpark um dort die Nacht zu verbringen.

OCT
12

litchfield national park

Der Litchfield NP ist ein Kleinod, was zu Unrecht im Schatten seines berühmten Nachbarn Kakadu NP steht. Die Wasserfälle des Litchfield fließen das ganze Jahr über, denn sie werden von natürlichen Quellen gespeist und nicht von Oberflächenwasser. Außerdem sind sie während der Trockenzeit frei von salties, da diese nicht über die natürlichen Barrieren der Flüsse hinwegkommen; man kann also überall baden. Deshalb war unser Aufenthalt im Park auch eine Mischung aus Wanderungen mit dazwischen eingestreuten Bädern. Viele Wasserfälle hatten wir dabei fast für uns alleine oder mussten sie nur mit ein paar Einheimischen teilen (immerhin war Sonntag und den verbringt der Australier gerne mit ein paar Bier und seinem tragbaren Barbecue Grill in der Nähe des Wassers). Dem Massenauflauf von Reisegruppen entkamen wir total; es gibt aber auch nur wenige Touren die den Litchfield NP besuchen. Besonders schön waren die Tjaynera Falls, die nur mit einem Geländewagen durch einen Fluß zu erreichen sind;zusätzlich ist eine etwa halbstündige Wanderung nötig um sie zu erreichen. Wir wurden für unsere Mühen belohnt und badeten mit nur zwei Australiern in einem schattigen Felsenpool, der von einem kühlen Wasserfall gespeist wird. Eigentlich hatten wir vor an diesem Wasserfall zu campieren, aber nachdem der Fall nicht wirklich in der Nähe des Campingplatzes lag fuhren wir wieder retour und verließen den Park über die ungeteerte Nordroute nach Berri Springs.

OCT
13

darwin und umgebung

Einem Vorschlag der netten Dame von der Rezeption des Campingplatzes folgend fahren wir auf die Cox Peninsula, die westlich von Darwin liegt. Laut ihrer Aussage ist Mandorah ein netter, kleiner Ferienort wo man sich am Strand tummeln kann. Wir hatten Visionen von einem Tag am Meer, im Schatten unter Palmen sitzend und dösend; eine leichte Brise verschafft Kühlung. Mittags gäbe es Fish & Chips und am Nachmittag würden wir uns mit Dorothy auf einen kleinen Campingplatz ohne allzu viel Komfort (bei uns sagt man dazu „ursprünglich“, hier heißt das „charming“, also charmant) zurückziehen. Dass wir hier wegen der Krokodile und der Quallen nicht im Meer baden würden war uns bewusst. Nicht bewusst war uns, dass es außer felsigem Strand, extremer Hitze (weil kein Wind und null Schatten) und fehlender Infrastruktur nichts gab was uns den Aufenthalt interessant erscheinen ließ. Nicht mal eine Imbissbude! Nichts außer Privathäusern, die allerdings auch schon bessere Zeiten gesehen hatten und überwiegend aus mehr oder minder kreativ verformten Wellblech bestehen. Jede Menge „For Sale“ Schilder deuteten an, dass man hier nicht wirklich wohnen will, oder alternativ auf einen satten Gewinn spekuliert. Nicht ein Auto oder Mensch auf der Straße - ein Geisterort! Wir fanden schließlich eine Hinweistafel mit dem Ortsplan, konnten darauf aber nichts entziffern weil die Farbe seit mindestens zwanzig Jahren nicht mehr nachgebessert wurde. Am Fähranleger, der diesen unwirklichen Ort immerhin in 20 Minuten von Darwin Stadtmitte aus erreichbar macht, war ein ähnlich ausgeblichenes Hinweisschild genauso wenig auskunftsfreudig. Mandorah wollte uns anscheinend nicht, da wollten wir uns auch nicht aufdrängen und flüchteten von diesem unwirklichen Platz. Aber selbst das war nicht so einfach, weil eine Beschilderung der Fernziele nicht vorhanden war.

Irgendwann waren wir dann doch dem Gewirr aus immer gleich aussehenden, schachbrettmusterartigen Straßen entflohen und trafen den Weg Richtung Darwin. Froh darüber wieder Menschen zu sehen steuerten wir den Berri Springs Park an um in den Thermalquellen zu schwimmen. So wurde wenigstens ein bisschen der Wunsch vom Strandleben verwirklicht. Die verschiedenen Pools der Quelle sind untereinander durch längere Flussläufe verbunden, die wiederum am Ufer dicht mit Pandanus-Bäumen bewachsen sind. Schwimmt man durch diese Verbindungskanäle, wähnt man sich in einem Tunnel aus tropischen Palmen und man holt sich keinen Sonnenbrand. Jetzt wollten wir es wissen und dachten, dass wir in Darwin an der Esplanade bestimmt Fish & Chips bekommen würden. Also ab ins Auto und die knapp 60km in die Hauptstadt des Northern Territory gefahren. Vielleicht haben wir den Status als Hauptstadt eines australischen Bundesstaates überschätzt, vielleicht liegt es aber auch an der großen asiatisch-stämmigen Bevölkerungsgruppe – Fish & Chips haben wir nicht bekommen, dafür sind wir über ca. 50 asiatische Schnellimbisse gestolpert und bei einem auch hängen geblieben. Ein Bummel durch den ziemlich übersichtlichen Stadtkern war auch gleich absolviert und deshalb machten wir früh Feierabend und buchten auf dem Campingplatz unserer Wahl ein, wo wir diese Zeilen schreiben.

OCT
14

darwin

Der Campingplatz würde jedes Spotterherz höher schlagen lassen. Strategisch günstig zwischen den beiden Endanflugszonen der Landebahnen vom Flughafen Darwin gelegen hatten wir guten Blick sowohl auf die militärischen als auch zivilen Flugbewegungen. Nachdem Darwin Airport nicht gerade der Nabel der Welt zu sein scheint, hielt sich der Flugverkehr aber in Grenzen und wir konnten selig schlummern – bis nachts die Luftfeuchtigkeit schlagartig anstieg und wir uns vorkamen als würden wir in einem Hamam schlafen.

Vormittags drehen wir eine weitere Runde durch Darwin, das Regierungsviertel besichtigen das ehemalige Gefängnis und die Ausstellungen im Northern Territory Museum. Im Regierungsviertel kann man frei herumspazieren ohne dass man auf irgendwelche Sicherheitsabsperrungen trifft. Das Governor House wird nur durch einen weißen, halbhohen Gartenzaun vom Gehweg getrennt und Wachpersonal ist hier scheinbar ein Fremdwort. Im NT Museum besichtigen wir die exzellente Ausstellung über den Zyklon Tracy, der am Weihnachtsmorgen 1974 Darwin beinahe komplett verwüstete. Besonders beeindruckend ist die Soundkammer, in der man in vollkommener Dunkelheit einer Tonbandaufnahme lauschen kann, die ein Pfarrer im Keller seines Hauses machte als der Sturm mit mehr als 250 km/h über die Stadt hinwegfegte – mit Gänsehautgarantie.

Mittags gibt es dann endlich die langersehnte Portion Fish & Chips und wir sind restlos glücklich. Unsere Einkaufsliste für die Mitbringsel aus Australien arbeiten wir anschließend im Casuarina Shopping Center ab und am Nachmittag checken wir für zwei Nächte im Big4 Resort ein, springen in den Pool und werden dort von einem heftigen Regenschauer überrascht, der ansatzlos über Darwin herfiel. Regenschauer haben hier etwas total unwirkliches, denn sie fangen nicht wie in Europa mit leichtem tröpfeln an um sich dann zu steigern, sondern sie beginnen mit voller Heftigkeit, um ebenso unvermittelt wieder aufzuhören. Vorwarnzeit: gleich Null.

Das Ende unserer Zeit mit Dorothy kündigt sich dadurch an, dass wir in der Kühlbox den Boden wieder erspähen können. Morgen heißt es dann Taschen packen und Auto ausräumen. Donnerstag geben wir den Camper ab und fliegen anschließend nach Brisbane, wo wir erstmals seit fast vier Wochen wieder ein festes Dach über dem Kopf haben werden, eine Badezimmer für uns alleine haben, und auf jeden Fall täglich auf frische Handtücher bestehen werden. Dass wir noch ordentlich shoppen werden ist ja wohl klar und muss hier eigentlich nicht extra erwähnt werden. Oder?

Natürlich gibt es auch von dieser Etappe wieder Bilder zu betrachten